„Wenn ich nicht die Wunden der Nägel an seinen Händen sehe und wenn ich meinen Finger nicht in das Mal der Nägel und meine Hand nicht in seine Seite lege, glaube ich nicht!“
Ganz schön einfordernd, was dieser Thomas da loslässt. Wenn das, was ich fordere nicht erfüllt wird, dann ist es aus - mit der Beziehung zu ihm und zu euch.
Ähnliche Situationen kennen wir doch auch:
- „Mama, wenn ich nicht das Handy XY bekomme, wie meine Freunde es haben, dann…..“
- „Wenn du jetzt bald nicht dein Studium ernster nimmst, dann kannst du von uns keine Unterstützung mehr erwarten.“
- „Wenn du mir nicht beweisen kannst, dass du dich um diese Uhrzeit mit dem getroffen hast, dann glaub ich dir nicht, warum du so spät heimgekommen bist.“
Solche „wenn nicht - Bedingungen“ bringen in Zugzwang. Solche Beweisaufforderungen grenzen oft an Erpressung.
Das muss diesen fordernden Jünger Thomas perplex gemacht haben. Ohne zu zögern kommt dieser Jesus seinen erpresserischen Forderungen nach: „Streck deinen Finger hierher aus und siehe meine Hände! Streck deine Hand aus und leg sie in meine Seite und sei nicht ungläubig, sondern gläubig!“
Aber das Evangelium erzählt dann überraschender Weise nichts davon, dass Thomas der Einladung gefolgt ist und seine Hände in die Wunde gelegt hat. Nichts davon, dass er seine Forderung wahrmacht ist. Im Gegenteil, Thomas verzichtet auf den Beweis und glaubt Jesus. Es kommt zum größten Glaubensbekenntnis, das im Johannesevangelium zu finden ist: „Mein Herr und mein Gott!“
Was sagt diese Begegnungsgeschichte des Thomas mit dem Auferstandenen?
Es nützt nichts, wenn ich auf die Worte „wenn ich nicht…, dann…“ mit Worten reagiere wie: „Jetzt reicht´s mir aber, jetzt wird´s mir zu bunt“ und in Gegenwehr gehe und den Spieß umdrehe mit Vorwürfen wie „Was bist du einer oder eine die so mit mir reden. Was bildest du dir ein?“
Das Evangelium rät eher, sich auf die Bedingung des Fordernden einzulassen und ihn damit zu verblüffen. Denn wenn dieser sich ernstgenommen fühlt, wenn er spürt, dass mir an der Beziehung zu ihm etwas liegt und er von meiner Offenheit überrascht wird, dann kann es wie im Evangelium zu einem Aha-Erlebnis kommen, dass mir erneut Glauben geschenkt wird, ohne dass ich die Beweislast bis ins letzte ausführen muss.
Freilich: Es bleibt ein Restrisiko. das Johannesevangelium rät: Hab du selber Glauben und wag es einfach!
Einen gesegneten Sonntag und eine gute Woche wünscht
Diakon Alexander Fuchs
