Liebe Leserin, lieber Leser,
„Einander in die Pflicht nehmen!“, ist jetzt angesagt, da sich sehr schnell die Situation der Hauptamtlichen im Pastoralen Raum Aschaffenburg-Ost (=PR AB-Ost) verändern wird. Die Zahl der verantwortlichen Pfarrer wird sich in kurzer Zeit halbieren.
Der Hösbacher Pfarrer Matthias Rosenberger geht am Ostermontag in den Ruhestand und der Goldbacher Pfarrer Alfred Bauer hört ebenfalls an Ostern auf, wird aber noch die drei Weißen Sonntage mit den Gemeinden feiern.
Der Moderator des PR AB-Ost, der Haibacher Pfarrer Erich Sauer und ich werden dann als die beiden aktiven Priester zurückbleiben und zusammen mit den anderen Haupt- und Ehrenamtlichen MitarbeiterInnen uns den Herausforderungen der Pastoral stellen.
Es sieht jede und jeder sofort ein, dass das Angebot wie bisher nicht aufrecht erhalten werden kann. Und es wird deutlich, dass es mehr Zeugnis und Engagement von denen braucht, die sich durch Taufe und Firmung zu Jesus Christus bekennen.
Das Gleichnis vom „Salz der Erde und Licht der Welt“, mit dem Jesus die Männer und Frauen damals in die Pflicht nimmt, die sich ihm angeschlossen haben, trifft die Situation auf den Kopf. Es macht deutlich, dass der Herr sich selbst nicht als Einzelkämpfer versteht, sondern denen etwas zutraut, die sein Evangelium annehmen und leben wollen.
Und es gibt viele Möglichkeiten in den Dunkelheiten unserer Zeit Licht für andere zu sein.
Der Prophet Jesaja nennt die Dinge beim Namen, die es gilt miteinander umzusetzen:
- mit dem Hungrigen dein Brot zu brechen
- obdachlose Arme ins Haus aufzunehmen
- wenn du einen Nackten siehst, ihn zu bekleiden
- dich deiner Verwandtschaft nicht zu entziehen
- die Unterjochung aus deiner Mitte entfernen
- auf keinen mit dem Finger zeigen
- niemandem übel nachreden
- den Hungrigen stärken
- den Gebeugten satt machen
„Denn dann geht im Dunkel dein Licht auf und deine Finsternis wird hell wie der Mittag.“
(vgl. Jes 58,7-10 Erste Lesung vom Sonntag)
Es gilt also, liebe Schwestern und Brüder, die Situation beim Schopf zu ergreifen und die entstehenden Leerstellen mit Freude und mit Zuversicht auszufüllen und in Gemeinschaft den Glauben zu leben.
Denn wenn die hauptamtlichen Pfarrer weniger werden, dann sind es die Getauften an der Basis, die Licht für andere werden können und frei von amtlicher Bevormundung das Heft nun selber in die Hand nehmen sollen.
Die ersehnte Demokratisierung der römisch-katholischen Kirche vor Ort bricht sich nun Bahn. Es gilt denen zu vertrauen, die ihren Glauben als Dienst an die Gemeinschaft verstehen, die begreifen, dass sie nun zu handelnden Akteuren werden, die Licht für andere werden wollen.
Haben wir den Mut und stehen wir auf!, so lautet doch auch das Motto des diesjährigen Katholikentages in Würzburg.
Mit Ihnen bin ich unterwegs!
Ihr Nikolaus Hegler, Pfarrer
