Liebe Leserin! lieber Leser!
Bevor das feierliche Exsultet (lateinisch: es jauchze), das Osterlob, gesungen wird und die Lichtfeier der Osternacht ihren Höhepunkt erreicht, wird die am Osterfeuer entzündete Osterkerze mit dem dreimaligen Ruf: „Lumen Christi!“ und der dreimaligen Antwort aller Versammelten: „Deo grátias!“ in die Kirche getragen.
Nach und nach breitet sich das Licht der Osterkerze im Kirchenraum aus.
Jede und jeder, der diese wichtigste Feier im Kirchenjahr miterlebt, erhält nun Licht von der Osterkerze. Dieses Licht lässt nun das eigene Gesicht im Kerzenschein erleuchten.
Es ist dies ein Bild dafür, dass die Getauften nun selber Licht sind und Licht in die Dunkelheit unserer Zeit und unserer Welt bringen sollen: Das: „Ihr seid das Licht der Welt!“ der Bergpredigt, bekommt hier eine Erneuerung und eine Vertiefung: Wir Christen sollen das, was wir in der Osternacht, die aus den vier Teilen: Licht - Wort - Taufe/Wasser - Eucharistie besteht, erfahren, uns nun einverleiben und selber daraus leben, es mit unserem Leben verkünden.
Doch was bedeutet das konkret: Licht werden?
Die Tage zuvor können uns dazu einige Anregungen geben:
Am Palmsonntag reitet Jesus auf einer Eselin in die Stadt Jerusalem ein und wird von allen bejubelt und verehrt. Er lässt sich davon nicht beirren, lässt sich auch nicht hinreisen hochnäsig zu werden oder gar auf andere verächtlich herabzuschauen.
Am Gründonnerstag setzt er ein ungeheuerliches Zeichen: seinen Jüngern wäscht er die Füße, geht vor denen auf die Knie, die ihn später verleugnen, verraten und verkaufen werden. In Demut und in Liebe sucht er die Gemeinschaft zu seinen Freunden. Immer in der Hoffnung, dass sie sich doch noch zum Guten hinkehren.
Und am Gründonnerstag schenkt er den Seinen ein besonderes Zeichen. Mit der Einsetzung der Eucharistie: Brot - mein Leib für Euch!, Kelch mit Wein - mein Blut für Euch!, gibt er uns ein Sakrament seiner Gegenwart, die wir in jeder Messfeier bekennen. Anderen etwas „von uns“ geben, Zeichen unserer Verbundenheit und Liebe schenken, Hoffnung und Vertrauen in den anderen setzen sind alles Möglichkeiten für andere Licht zu sein.
Am Karfreitag nimmt Jesus das ungerechte Urteil hin und geht den Kreuzweg. Hier begegnen ihn Menschen, die für ihn wie Licht sind: Simeon von Kyrene, der ihn das Kreuz tragen hilft; Veronika, die ihm das Schweißtuch reicht; die Frauen, die um ihn weinen und klagen; seine Mutter, die trotzdem zu ihrem Sohn steht und den schweren Weg mitgeht.
Für mich sind das alles Impulse, wie wir füreinander Licht werden können.
Es geht also in der Feier der Osternacht nicht darum, dass wir uns um das Licht Jesu Christi versammeln, sondern darum mit diesem Licht in unsere Wirklichkeit hineinzugehen und dort das weiterzuführen, wofür er, der Herr, gelebt und gelitten und gestorben ist.
Die Kraft des Lichtes unserer Osterkerzen soll uns und anderen zur Ermutigung und zur Stärkung werden. Als ein Zeichen der Aufmerksamkeit will sie uns und anderen Trost und Verbundenheit schenken. Als Licht im Dunkel unseres Leben will das Licht an den Auferstandenen erinnern, der immer mit uns unterwegs ist.
Ich wünsche es Ihnen und ich wünsche es uns allen:
Lumen Christi! Deo grátias!
Ihnen und Ihren Angehörigen wünsche ich
FROHE OSTERN!
Ihr Nikolaus Hegler, Pfarrer
