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20.09.2026 - 25. Sonntag im Jahreskreis

„Darf ich mit dem, was mir gehört, nicht tun, was ich will?“ (Mt 20,15; vgl. Mt 20,1-16 Evangelium vom 25. Sonntag im Jahreskreis A)

Liebe Leserin, lieber Leser,

die Stimmung im Lande ist angekratzt: Irgendwie vergiftet. Viele haben den Eindruck, dass immer nur bei ihnen abkassiert wird, wo sie doch monatlich zu kämpfen haben und mit ihren begrenzten finanziellen Mitteln sich sowieso schwer tun „über die Runden zu kommen“.

Das Evangelium von den Arbeitern im Weinberg macht deutlich, dass dessen Besitzer jedem seinen gerechten Tageslohn von einen Denar zukommen lässt, egal, wie lange er im Weinberg gearbeitet hat. Mit diesem einen Denar konnten er und seine Familie gut leben.

Auf die scheinbar berechtigten Kritik derer, die den ganzen Tag geschuftet haben und die Sonne ertragen mussten, dass sie doch mehr bekommen müssten, antwortet der Weinbergsbesitzer (=Gott!): „Darf ich mit dem, was mir gehört, nicht tun, was ich will?“

Sicherlich darf er Gutes tun, so er denn will. Und es ist ja auch klar, dass jeder Arbeiter eine Familie zu versorgen hat, unabhängig davon ob er nun die vollen zwölf Stunden im Weinberg arbeitet oder nur die eine letzte. So besehen ist alles in Ordnung.

„Darf ich mit dem, was mir gehört, nicht tun, was ich will?“, gilt aber nicht in die andere Richtung, wenn es darum geht, den Menschen einen gerechten Arbeitslohn vorzuenthalten. Wenn die Arbeiterinnen und Arbeiter gegen einander ausgespielt werden um ihren gerechten Lohn zu drücken. Oder wenn eine Lohnspirale nach unten damit begründet wird, dass in anderen Ländern doch viel weniger bezahlt werden müsse.

Die Reichen dürfen nicht alles mit ihrem Geld machen, was sie wollen!

Darauf hat schon Papst Leo XIII. in seiner Enzyklika: „Rerum Novarum. Über die Arbeiterfrage“ vor 135 Jahren hingewiesen. Mit dem Stichwort: „Eigentum verpflichtet!“, zeigt die Katholische Soziallehre seither, dass bei den Herausforderungen unserer Zeit als da sind: Kranken- und Pflegeversicherung; Mieten und Wohnen; marode Schulen und schlechtes Abschneiden in der neuen Pisa-Studie; usw. nicht immer nur auf die kleinen und mittleren Einkommen geschaut werden und diese zur Kasse gebeten oder gezwungen werden:
Die Reiche müssen entsprechend besteuert werden, dass ihr überbordender Reichtum dem Gemeinwohl, also: allen dient.

In seinem Vortrag im März 2026 in der Evangelischen Kirche in Aschaffenburg erklärte der Wirtschafts- und Sozialwissenschaftler Dr. Wolfgang Kessler, dass der Vorschlag des Ökonoms Gabriel Zucman bedenkenswert ist: Eine Mindeststeuer von nur zwei Prozent für alle Einzelvermögen ab 100 Millionen Euro würde uns aus dieser Misere helfen.

Wenn diejenigen, mehr als 100 Millionen Euro in Deutschland besitzen: Es sind dies 3.500 Bundesbürgerinnen und Bundesbürgern!, ihrer Sozialverpflichtung gerecht werden und nach diesem Modell 2% Steuern zahlen würden (Bereits gezahlte andere Steuern würden angerechnet!), dann könnten viele Soziale Probleme in Deutschland finanziert und viele Probleme gerecht gelöst werden.

Dass sich unsere Politiker nicht trauern hier anzusetzen, ist für mich unverständlich.

Einen guten Sonntag und eine schöne Woche wünscht
Ihr Pfarrer Nikolaus Hegler
 

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