Liebe Leserin, lieber Leser,
mit dem Ruf zum Evangelium am kommenden Sonntag werden wir auf die dann folgende FROHE BOTSCHAFT eingestimmt, die an diesem Sonntag sehr streng, sehr konsequent und sehr hart klingt: Wir sollen alles gering achten, wenn wir Jesus wirklich nachfolgen wollen: Vater und Mutter, Sohn und Tochter, ja sogar unser Leben.
Umso mehr ermutigt mich der Ruf zum Evangelium, der beschreibt, was wir in der Taufe unverdient empfangen haben. In der Zweiten Lesung des Römerbriefes wird dies ebenfalls reflektiert: Dieser zentrale Text unseres Glaubens wird in jeder Osternacht als Epistel verkündet!
Diese Taufgnade hat uns unverdient Jesus Christus ein für allemal erworben. Darauf gilt es aufzubauen, denn wir werden eingeladen als neue Menschen zu leben.
Durch dieses Geschenk sind wir nicht mehr Sklaven der Sünde, sondern wir können fortan für Gott unser Leben ausrichten und gestalten. So sind wir in Christus Jesus sein auserwähltes Geschlecht, seine königliche Priesterschaft, sein heiliger Stamm, der die großen Taten Gottes durch das eigene Lebenszeugnis verkünden sollen: Denn ER hat uns in sein wunderbares Licht gerufen!
Diese radikale Veränderung, die der Apostel im Geschehen der Taufe verortet, wurde am Anfang der Kirche im Taufritus sichtbar: Auf der einen Seite entkleidet sich der Täufling und steigt sieben Stufen hinab in das Becken. Jetzt wird er vom Täufer untergetaucht. Oft konnten die Täuflinge damals nicht schwimmen. Sehr bedrohlich und beängstigend war diese Erfahrung ganz unter Wasser zu sein. Der Täufling hilft den Getauften wieder auf die Füße, der nun erleichtert und voller Freude dem Taufbecken auf der anderen Seite entsteigt. Jetzt bekommt er das Weiße Gewand, die Albe, übergeworfen und gehört zu denen, die sich zum auferstandenen Jesus Christus bekennen.
Einen Sonntag später - am Weißen Sonntag - dürfen sie dann „beim Brechen des Brotes“, beim zentralen Gottesdienst teilnehmen und „den Leib Christi“ empfangen.
Soweit, so gut!
Aber: Was bedeutet mir ganz persönlich die Taufe? Und wie wird dies spürbar und für die anderen erfahrbar? Im Zusammenleben mit den anderen Menschen? Gestalte ich wirklich auf dem Hintergrund meines Getauftseins meinen Alltag?
Wir brauchen deshalb nicht in Selbstkritik und Selbstzweifel zu versinken. Wir sollen vielmehr die Chance ergreifen, dass wir - jeder Mensch! - fähig sind, in jeder Phase unseres Lebens dies neu zu gestalten. Wenn wir einsichtig geworden sind, dass wir uns mehr auf die oben genannte Zusage hinbewegen und unser Christsein bewusst weiter entwickeln wollen, dann lädt uns jede Messfeier dazu ein: Dem „Herr, erbarme dich!“ folgt ja immer das Gloria: „Ehre sei Gott in der Höhe, und Friede den Menschen seiner Gnade!“ Und diese Gnade ist uns durch Jesus Christus geschenkt!
Einen frohen Sonntag und eine gute Woche wünscht Ihnen und Ihren Angehörigen
im Namen des Seelsorgeteams
Nikolaus Hegler, Pfarrer
