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19.07.2026 - 16. Sonntag im Jahreskreis

Unkraut unter dem Weizen

Liebe Leserinnen und Leser,

das Evangelium des kommenden Sonntags nimmt das Gleichnis vom Unkraut unter dem Weizen (Mt 13,24–30) als Ausgangspunkt. Im Zentrum steht die Botschaft, dass Gott die Zeit der Geduld und des Wachstums schenkt. Das voreilige Ausrotten des Bösen birgt die Gefahr, das Gute mit zu zerstören.

Wie oft ist der Versuch, das Böse mit Stumpf und Stiel auszurotten, in der Geschichte schon gescheitert? Wir denken an blutige Kreuzzüge, an Hexenverbrennungen, an die Inquisition oder an die Tyrannei totalitärer Systeme. Sie alle wollten die Welt von allem "Unkraut" befreien und haben dabei unermesslich viel Leid über die Menschheit gebracht.

Auch im menschlichen Miteinander führt diese Haltung oft zur Katastrophe. Wer meint, das Böse oder Unangenehme restlos ausmerzen zu müssen – sei es im Betrieb, in der eigenen Familie oder in der Politik –, der vergisst eine grundlegende Wahrheit: Wir Menschen sind nicht vollkommen, jede und jeder hat seine Fehler und Schwächen.

Im Matthäus-Evangelium warnt uns Jesus genau vor dieser Ungeduld, die zur Katastrophe führt. Als die Knechte den Gutsherrn fragen, ob sie das Unkraut sofort ausreißen sollen, antwortet dieser: „Nein, damit ihr nicht zusammen mit dem Unkraut den Weizen ausreißt.  Lasst beides wachsen bis zur Ernte!“ (Mt 13,29-30).

Diese Haltung Gottes ist radikal, aber völlig anders, als wir erwarten würden. Sie legt uns nahe, geduldig und langmütig zu sein. Gott lässt uns Menschen Zeit. Er weiß um unsere Schwächen und Fehler, schreibt uns aber nicht vorschnell ab.

Und Gott legt uns nahe, gelassen zu sein.  Wir müssen nicht jeden Konflikt sofort eskalieren lassen oder für jedes Problem in unserem Leben einen sofortigen Schuldigen suchen.

Und weiter rät uns Gott, demütig zu sein. Uns Menschen steht das endgültige Urteil über Gut und Böse nicht zu. Gott allein kennt die Herzen.

Zwischen dem Unkraut und dem Weizen zu unterscheiden, ist im Alltag oft gar nicht so einfach. Oft gibt es Entwicklungen, die sich erst im Laufe der Zeit als gut oder schlecht herausstellen. Wo fängt das Unkraut an und wo hört der Weizen auf?

Die Ernte ist letztlich Gottes Sache. Ein alter Kapuziner Pater sagte immer: „Lasst das mal den Chef da oben machen!“

Eine schöne Woche, eine besinnliche, geduldige und fruchtbare Zeit wünscht Ihnen Ihr
Diakon Rudi Kraus
 

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