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05.07.2026 - 14. Sonntag im Jahreskreis

Mission heute

Mutig waren sie. Sie setzten sich in ein selbstgezimmertes Boot aus Tierhaut und ließen sich von den Küsten Irlands aus treiben – egal wohin. Wo sie strandeten, begannen sie ihre Mission. Ihr Aussehen war ungewöhnlich: Rote Haare, die Stirne vorne kahlgeschoren, mit einem glockenförmigen Gewand bekleidet und nicht einmal der Sprache im fremden Land mächtig. Aber die Menschen müssen gespürt haben: Sie sind Feuer und Flamme. Die brennen für etwas. Mir ist es ein Rätsel, wie sie es geschafft haben, ihre Botschaft rüberzubringen. Wahrscheinlich waren Gesten und Verhalten wichtiger als Worte.

So hat’s begonnen – hier im Frankenland, mit Kilian, Kolonat und Totnan. Über zahlreiche Generationen wurde der Glaube weitergegeben. Ganz selbstverständlich.

Aber das spüren wir doch alle: Die Glaubenskette ist am Reißen. Eltern und Großeltern können es noch so gut meinen und gute Vorbilder sein, aber der Funke springt einfach nicht mehr über. Es scheint fast, als bräuchten wir eine neue Mission. Aber anders als im Stil alter Volksmissionen: mit langen Vorträgen und täglichen Gottesdiensten. In unserer Zeit bräuchte es etwas, was beim einzelnen Menschen ansetzt, nicht gleich nach Kirche riecht, mich als Mensch ernstnimmt und mich weiterbringt.

Und da überrascht, dass ausgerechnet die als eher konservativ geltende Schönstattbewegung neue Wege gehen will. Es ist eine kleine dunkelblaue Chipkarte, auf der in goldenen Buchstaben fünf Sätze stehen.

Die haben es in sich. Sie schlagen einen Glaubensweg vor, der nicht damit beginnt, was ich glauben soll, sondern bei mir ansetzt: bei meinen Möglichkeiten und Sehnsüchten.

Satz 1: Ich glaube an mein persönliches Ideal
Das heißt: Ich bin unverwechselbar. In mir steckt großes Potential. Ich habe Schätze in mir und die muss ich heben.

Satz 2: Ich glaube, dass ich wachsen kann
Das heißt: Es gibt eine Entwicklung in meinem Leben. Ich darf nach vorne schauen. Mit den Jahren werde ich reifer. Misserfolge können mich nicht ausbremsen.

Satz 3: Ich glaube, dass mein Beitrag zählt
Das heißt: Alles, was ich tue, hat Wirkung, mag es mir auch noch so klein vorkommen. Ich kann etwas bewegen.

Satz 4: Ich glaube an dein Charisma
Das heißt: Es kommt nicht nur auf mich an. Auch die und der andere haben Begabungen, die zählen. Lass den Neid! Lass zur Geltung kommen, was die andern können. Das bereichert unser Leben.

Erst im 5. Satz kommt Gott ins Spiel. Ich glaube: Gott wirkt in meinem Leben
Das heißt: Ich darf stolz sein auf das, was mir und anderen gelingt, aber ich spiele mich nicht auf: als Macher, als Alleskönner. Denn das alles verdanke ich einem andern. Und das macht bescheiden und großzügig zugleich.

Haben Sie’s gespürt, wie gut solche Sätze tun: Ich bin wichtig, ich kann was, auf mich kommt’s an – und auf die anderen auch. Und im achtsamen Miteinander kommt Gott zum Zug. Glauben Sie nicht auch: Das wäre der Anfang einer anderen Kirche: Wo es nicht darauf ankommt: Wer hat das Sagen? Sondern: Wer kann was? Wo nicht dauernd gefragt wird: Darf ich das? Sondern wo die Haltung herrscht: Dein Beitrag ist willkommen. Wo es nicht darum geht: Wer hat ein Amt? Sondern: wer hat Fähigkeiten? Wer kann Menschen zusammenbringen?

Und vielleicht ist es auch heute wie bei den Frankenaposteln: Es kommt nicht auf Worte an, sondern auf die Ausstrahlung. Nicht auf Programme und Strukturreformen, sondern auf Glaubwürdigkeit. Nicht auf Zuständigkeiten und Verwaltung, sondern auf inneres Feuer.

Einen gesegneten Sonntag und eine gute Woche wünscht
Ihr Diakon Alexander Fuchs, Johannesberg